Ergebnisse des Mietwagen-Tests: Noch zu viele Defizite bei den Anbietern .

Große Qualitäts-Unterschiede brachte der aktuelle Test zu Tage. Zwei mit „sehr gut“ bewertete Mietwagen-Anbieter bildeten die herausragende Spitze. Ihnen standen sieben Autovermietungen gegenüber, die ein „Mangelhaft“ bekamen und deren Autos nicht mehr auf die Straße gehört hätten. Fünf Autos gingen mit der Note „bedenklich“ an ihre Stationen zurück. Im Gesamtergebnis fiel damit jeder fünfte Anbieter durch. Doch es gibt auch Erfreuliches zu vermelden: 32 Mietwagen-Anbieter und damit über die Hälfte aller Testkandidaten schnitten mit einem respektablen „Gut“ ab. 14 Unternehmen erreichten immerhin eine durchschnittliche Bewertung. Enttäuschend ist, dass der Test insgesamt keine nennenswerten Verbesserungen gegenüber den Vorjahren zeigt. Vor allem der schlechte Service trübt nach wie vor die Freude am Urlaubswagen.

Top und Flop: Testsieger und -verlierer

Guten Service und ein sehr gutes Fahrzeug bot der Testsieger des Jahres 2009, der international tätige Autovermieter National auf Kos in Griechenland mit einem Chevrolet Matiz. Die Plätze zwei und drei gehen nach Kroatien. Hertz in Dubrovnik hatte dabei mit einem neuen Fiat Punto den einzigen ohne jede Einschränkung tadellosen Wagen im Test. Die Franchise-Niederlassung des internationalen Autovermieters zeigte aber Schwächen beim Service und verpasste dadurch den ersten Rang. Ähnliche Schwächen zeigte die Kundenbetreuung beim Drittplatzierten des Tests, dem regionalen Anbieter Suntrust Rent a Car, der aber mit dem sehr guten Zustand eines Opel Corsa überzeugte.
In desolater Verfassung war der Testverlierer, der Nissan Micra von Europcar im griechischen Thira auf Santorin. Zahlreiche gravierende Mängel, etwa die zwei verformten Felgen an der Vorderachse, die stark beschädigte Reifenflanke und eine fehlende Radmutter am rechten Hinterreifen disqualifizierten das Auto für die Straße – und erst recht für das Mietwagengeschäft. Flankiert von schlechtem Service in allen Belangen blieb für die renommierte Verleihfirma nur der letzte Platz. Auf den beiden anschließenden Plätzen landeten zwei lokale Anbieter, Compass Car Hire auf Malta und Aktif Rent a Car im türkischen Marmaris. Ihren Geländewagen, zwei Suzuki Samurais, stellten unsere Tester wegen ihres schlechten technischen Zustands ebenfalls mangelhafte Zeugnisse aus.

Spezialfall Geländewagen

Fünf der sieben Geländewagen im Test hatten erhebliche Mängel mit Schäden an Fahrwerk, Lenkung oder Bremsen. Auch bei der Ausrüstung und der Insassensicherheit zeigten sich Defizite. Airbags für den Beifahrer und Sicherheitsgurte auf der Rücksitzbank waren Mangelware. Das schlechte Abschneiden der Off-Road-Fahrzeuge ist umso schwerwiegender, als viele Touristen sich nur im Urlaub in einen Jeep setzen und über entsprechend wenig Erfahrung verfügen.
Ergebnisse im Service
Unrühmlich für die Vermietstationen war diesmal fast überall das Abschneiden beim Service. Kein einziges Mal konnten die Clubs ein „sehr Gut“ vergeben, und nur acht Mal ein „Gut“. Schlechte Noten gab es weit häufiger: elf Mal „mangelhaft“, 26 Mal „bedenklich“. Die Urlauber wurden bei zu vielen Anbietern wie im Akkord durchgeschleust, kaum informiert oder unhöflich behandelt. Schlechte Beratung kann jedoch gravierende Auswirkungen haben, wenn sich der Versicherungsschutz als unzureichend herausstellt, wenn Reisende im Notfall nicht wissen, was sie tun sollen oder mehr von der Kreditkarte abgebucht wird als abgesprochen – was im Test zwei Mal geschah.
So war das Herzstück der Anmietung, das Gespräch mit den Urlaubern, bei mehr als jedem zweiten Anbieter schlecht. Zwar zeigte sich das Personal in den meisten Fällen freundlich und mehrsprachig, verfügte aber über zu wenig Fachkenntnis und Professionalität. Vergeblich warteten unsere Mystery Shopper oft auf eine Fahrzeugeinweisung, die persönliche Rücknahme des Autos, ein Schadensprotokoll oder Erklärungen zu Tankregelung und Notfall. In 23 Fällen hätten die Vermieter so theoretisch nach Urlaubsende unlautere Nachforderungen an den Mieter stellen können. Angaben zum Versicherungsschutz waren oft verwirrend, ungenügend oder schlichtweg falsch. Zudem offenbarte ein Drittel der Verträge Schwachstellen. Im international besuchten Touristenort Rimini waren beispielsweise drei von sechs Verträgen nur auf Italienisch abgefasst.

Ergebnisse rund ums Auto

Die Bandbreite der 60 getesteten Autos war groß. Sie reichte vom elf Jahre alten Geländewagen über den frisch zugelassenen Seat Ibiza mit 40 Kilometer Laufleistung  auf dem Tacho bis zum Renault Clio, der in vier Jahren bereits 152.638 Kilometer abgespult hatte. 28 Autos waren jünger als ein Jahr. In der Gesamtschau aller Fahrzeuge regierte das gute Mittelmaß, getrübt vor allem von den gravierenden Mängeln der letztplatzierten sieben Klein- und fünf Geländewagen.  
Während Karosserie, Allgemeinzustand, Fahrwerk, Lenkung, Motorraum und Elektrik durchschnittliche bis sogar sehr gute Mittelwerte erreichten, fiel der Bereich „Ausrüstung und Insassensicherheit“ bei den meisten Mietautos stark ab. Drei Viertel aller Fahrzeuge bekamen hier deutliche Punktabzüge. Nur in 14 Autos gab es einen Verbandkasten, in mehr als der Hälfte der Wagen fehlten Warndreiecke und Warnwesten. Fern aller europäischer Sicherheitsstandards gab es in fünf Autos gar keine Airbags, 19 Mal fehlte das lebensrettende Luftkissen für den Beifahrer. Sicherheitsgurte waren in etlichen älteren Modellen nicht vorhanden oder defekt. In 40 Prozent aller Wagen fehlte ein Kindersitz, der einen Sechsjährigen ausreichend geschützt hätte, oder der vorhandene war nicht geeignet. Statt dessen gab es gute Ratschläge: „Fahren Sie langsam“, hieß es in Marmaris bei Fatih Rent a Car, damit dem Kind nichts passiert.

Fazit

Top Service, tadellose Mietwagen und einwandfreie Rahmenbedingungen – das wäre wünschenswert. Das Ziel einer ungetrübten Urlaubsfahrt mit dem Mietwagen ist aber noch lange nicht überall erreicht. Vor allem im Service besteht für die Autovermieter noch großer Verbesserungsbedarf. Dabei geht es nicht um Kleinigkeiten, sondern um echte Ärgernisse und beim Auto gar um Sicherheitsrisiken, denen Touristen ausgesetzt sind. Urlauber müssen aber darauf vertrauen können, dass sie von den Autovermietern fair behandelt und gut informiert werden und dass sie ihre Ausflüge in technisch einwandfreien und verkehrssicheren Fahrzeugen antreten.
 
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Quelle: ADAC